Wodurch werden Essstörungen verursacht?
Die genauen Ursachen von Essstörungen sind unbekannt. Viele Ärzte gehen davon aus, dass bei der Entstehung von Essstörungen genetische, körperliche, soziale und psychische Faktoren zusammenwirken.
- Genetische Faktoren. Bestimmte Gene können einen Menschen für die Entwicklung von Essstörungen anfälliger machen. Nach Erkenntnissen der Mayo Clinic besteht die Neigung dazu vor allem bei Menschen, deren Verwandte ersten Grades (Eltern und Geschwister) ebenfalls an Essstörungen leiden (Mayo Clinic, 2011).
- Die Botenstoffe im Gehirn. Forscher vermuten, dass Serotonin das Essverhalten beeinflusst. Serotonin ist ein natürlicher Botenstoff im Gehirn, der normalerweise u.a. Stimmung, Lernverhalten und Schlaf reguliert.
- Psychische Gesundheit. Essstörungen liegt oft ein psychisches oder mentales Problem zugrunde, das eine Störung des Essverhaltens begünstigen kann. Solche Probleme sind z.B. geringes Selbstwertgefühl, Zwangs-störungen, Beziehungsprobleme und unbeherrschtes Verhalten.
- Gesellschaft. Erfolg und Wert werden oft mit körperlicher Schönheit und Schlankheit gleichgesetzt. Das gilt vor allem im westlichen Kulturlkreis. Der Wunsch nach Erfolg und Anerkennung kann ein gestörtes Essverhalten begünstigen.
Welche Risikofaktoren begünstigen Essstörungen?
Bestimmte genetische, soziale und umweltbedingte Faktoren können das persönliche Risiko für die Herausbildung von Essstörungen erhöhen. Zu diesen Risikofaktoren gehören:
- Das Geschlecht - Frauen sind für Essstörungen erheblich anfälliger als Männer.
- Alter - Essstörungen treten vor allem bei Teenagern und Heranwachsenden von Anfang 20 auf. Grundsätzlich kann diese Störung in jedem Alter auftreten.
- Familienanamnese - Menschen, deren Verwandte ersten Grades an Essstörungen leiden, haben ein erhöhtes Risiko, selbst daran zu erkranken.
- Diät - Gewichtsabnahme wirkt oft als positiver Verstärker. Das Bedürfnis nach Anerkennung treibt manche dazu, noch rigoroser Diät zu halten. Das kann Essstörungen begünstigen.
- Emotionale Störungen - Menschen mit Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sind anfälliger für Essstörungen.
- Lebenseinschnitte - Tiefgreifende Veränderungen und Erlebnisse können emotionalen Stress und Angst auslösen, die eine Neigung zu Essstörungen begünstigen können. Das betrifft vor allem Menschen, die schon früher einmal an Essstörungen gelitten haben. Solche Stresszeiten können z.B. ein Umzug, eine berufliche Veränderung, das Ende einer Beziehung oder der Tod eines nahestehenden Menschen sein. Auch Missbrauch, Vergewaltigung oder Inzest können Essstörungen auslösen.
- Freizeitaktivitäten - Wer sich in einem Sportverein oder Künstlergruppe aktiv betätigt, kann ein erhöhtes Risiko haben. Das Gleiche trifft auf jede Gemeinschaft zu, in der das Aussehen als Statussymbol gewertet wird. Dazu gehören etwa Leistungssportler, Schauspieler, Tänzer, Models und TV-Stars und -sternchen. Trainer, Eltern und Profis dieser Sparten können eine Neigung zu Essstörungen unabsichtlich fördern, indem sie eine Gewichtsabnahme anmahnen.
Entwickeln auch Männer Essstörungen?
Frauen sind häufiger von Essstörungen betroffen, aber auch Männer sind dagegen nicht gefeit. Einer Studie an der Harvard-Universität von 2007 zufolge ist sogar ein Vierteil der US-Bürger, die an Magersucht oder Bulimie leiden, männlich. Dieselbe Studie ermittelte zudem, dass 40 % der US-Amerikaner mit Binge-Eating-Störung (Esssucht) Männer sind (Hudson et al., 2007).
Manche Männer leiden an der so genannten Muskeldysmorphie, d.h. dem extremen Streben danach, muskulöser zu werden. Während die meisten weiblichen Essgestörten abnehmen und sehr mager sind, halten Männer sich mit dieser Störung für zu schmächtig; sie wollen unbedingt zunehmen oder ihre Muskel-masse erhöhen. Um schneller Muskelmasse aufzubauen, lassen sich Männer mit dieser Störung auf gefährliche Praktiken ein, u.a. die Einnahme von Steroiden, aber auch anderer Präparate.
Allerdings wird bei Männern seltener eine Essstörung diagnostiziert, selbst wenn sie ähnliche oder sogar dieselben Symptome aufweisen wie eine Frau.
Warum Männer seltener als essgestört eingestuft werden, ist unbekannt. Eine Studie des U.S. Department of Health and Human Services kommt zu dem Schluss, dass viele junge Männer mit Essstörun¬gen sich nicht auf eine Therapie einlassen, weil sie sich schämen, eine typisch weibliche Störung zu haben. Laut derselben Studie bleiben Binge-Eating-Störungen bei jungen Männern vermutlich oft deshalb unbemerkt, weil es weniger auffällt, wenn junge Männer zu viel essen, als wenn junge Frauen dasselbe Verhalten zeigen (DHHS, 2004).









